Und die Welt sie fliegt hoch – Sarah Jäger ** Die Sommerferien sinnvoll nutzen

Der Deutsche Jugendliteraturpreis für Bücher ab 12 Jahren ging 2025 an Sarah Jägers „Und die Welt sie fliegt hoch“. Sarah Maus vervollständigte das eingängige Werk mit wundervollen Illustrationen.

„Hast du manchmal auch das Gefühl / dass bald alles hochfliegt“

Schon blöd, wenn draußen die Sonne scheint, alle im Freibad sind und man selbst im eigenen Zimmer sitzen muss. So geht es Ava, die sich in den letzten beiden Ferienwochen Hausarrest eingebrockt hat. Wie gut, dass sie beim Zusammenräumen die Nummer von Juri findet und ihm sofort schreibt. Auch er sitzt in seinem Zimmer und ist etwas überrascht, dass sie sich bei ihm meldet, schließlich haben sich die beiden seit Jahren nicht mehr gesehen. Und so geschieht es, dass die beiden 14-Jährigen täglich miteinander schreiben und sich annähern. Bis die Wahrheit alles ins Wanken bringt.

Vom Tippen und Sprechen

An diesem Roman ist vieles besonders. Die schwarz-weißen Illustrationen von Sarah Maus beispielsweise. Sie sind humorvoll, stellen den Text punktgenau dar und gehen dadurch auch ziemlich nah. Dann wäre da noch das Layout des Buches. Durch das Texten, das Ava und Juri betreiben, ist auch der Roman zweigeteilt. So stehen auf den linken Seiten Avas und auf den rechten Seiten Juris Nachrichten. 

„Und die Welt sie fliegt hoch“ gewann den Deutschen Jugendliteraturpreis 2025 (c) Anna-Lisa Konrad (Sarah Jäger), Sebastian Hartmann (Sarah Maus)

Der Effekt, der dadurch entsteht: Kurzweiligkeit. Nicht nur, dass die Gedankengänge der Jugendlichen besser nachvollziehbar sind, auch ihre Gefühle kommen gut rüber. Dies liegt vermutlich auch an den absichtlich fehlenden Satzzeichen und willkürlich gesetzten Absätzen bei Juri. Ganz so, wie man eben per Textnachricht kommuniziert.

„Ein Sprung vom Beckenrand ist keine Wunderheilung, fürchte ich.“

Wobei die Besonderheit darin liegt, dass sich Ava hauptsächlich per Sprachnachrichten mitteilt, weshalb sie auch Satzzeichen und eine klare Struktur aufweist, während Juri erst nur tippt und später spricht. Wer jetzt denkt, dass dadurch auch vermeintlich „kindische“ Probleme oder Themen angesprochen werden, irrt gewaltig.

Das Kleine ganz groß

Jäger spiegelt in ihrem Roman die Ängste und Wünsche zweier Jugendlicher wunderbar wider. Juri ist Einzelgänger, hat Angst vor fast allem und ist schnell überfordert. Ava hingegen könnte sozialer nicht sein, hat auch Ängste, wirkt aber aufgeschlossener als der schüchterne Juri. So spricht der Roman das Alleinsein, Scheidungen und dieses riesengroße Chaos, das Erwachsenwerden ist, an. Und zwar einfühlsam und zart, dabei aber perfekt auf den Punkt gebracht.

Für bereits Erwachsene ist dieser Roman ein tolles Buch für zwischendurch, weil es zum einen existenzielle Themen so behandelt, dass sie leicht zu verarbeiten sind und dennoch nachdenklich machen. Zum anderen ist Jägers Werk humorvoll und zaubert, insbesondere durch Maus‘ lebendige Illustrationen, immer wieder ein Schmunzeln auf das Gesicht der Lesenden.

Zurecht als Jugendliteratur des Jahres 2025 und perfekt geeignet für alle komischen Vögel und jene, die denken, nicht von dieser Welt zu sein. Unbedingt lesen!

Sarah Jäger, „Und die Welt sie fliegt hoch“. € 20,- / 272 Seiten. Rotfuchs, Frankfurt am Main 2024.

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