Zehn unglaublich unterhaltsame Pub-Dialoge, die einem zeigen, wie Paartherapie auch anders funktionieren kann.
14.963 Ehen wurden in 2024 in Österreich geschieden. Von unüberbrückbaren Differenzen über Affären, bis hin zu finanziellen Streitigkeiten ist alles dabei. Bevor es jedoch so weit kommt, gibt es viele Paare, die nichts unversucht lassen möchten und sich Unterstützung von Profis holen.
Diese Hilfe kann unterschiedlich aussehen, doch viele entscheiden sich für eine Paartherapie bei einer*m Psychotherapeut*in. Wie unterschiedlich und auch unterhaltsam diese laufen kann, zeigt uns Nick Hornby mit seinem Buch „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“.
Fehlender Sex, Sarkasmus und viel Subtext
Louise hat ihren Mann Tom betrogen. Die kurze Affäre von 4 Hoppalas hat dazu geführt, dass beide nun zur Paartherapeutin gehen. Initiiert von Louise, denn sie sieht die Schuld ihres Ausrutschers nicht allein bei ihr. Der fehlende Sex und die nicht vorhandene Nähe zu ihrem Mann, der sich nur mehr anfühlt wie ein WG-Bewohner, war laut ihr der Auslöser dazu.
Bevor es zur Therapeutin geht, treffen sie sich der arbeitslose Musikjournalist und die Gerontologin im Pub gegenüber der Praxis. Sie besprechen bei Wein und Bier, welche Themen sie in der Sitzung behandeln möchten. Ihre Gespräche sind oberflächlich und sarkastisch. Sie werden durch einen Subtext geführt und zeigen dennoch von Innigkeit, denn sie bleiben kaum bei einem Thema stehen. Dank der vielen neuen Denkanstöße und dem quasi neu gewonnenen Material verläuft jede Therapieeinheit ganz anders als geplant. Doch ein Thema bleibt zentral: Seine Stimme für den Brexit.

„Leidenschaft ist nicht etwas, was ausgeht, sondern eher wie ein Schlüssel, den man verliert“
Wie kann eine Ehe überhaupt nach so vielen Jahren aussehen? Dass hier mal die Leidenschaft flöten geht, kann man sich gut vorstellen. Die beiden wissen auch nicht wirklich wie und hüpfen von einem Gesprächsthema zum anderen. Möglicher Versöhnungssex, wie der*die Partner*in des anderen aussehen könnte, der Auszug von Tom, eine Reunion mit Matthew, falls Louise alleine bleiben sollte, dem wahrhaftigen Kreuzworträtsel-Dilemma von Tom (Achtung Sarkasmus!) und und und.
Jedes der zehn Treffen bringt neue Erkenntnisse und Gefühle hervor und sie beschließen, sogar einen Todespakt (Kinder haben sie immerhin schon), sodass niemand alleine sterben muss. Auch wenn sie nicht mehr zueinander finden sollten.
Einander lieben, aber ohne Gefühl
Mit jedem Treffen spürt man ihre beidseitige Annäherung und auch die Akzeptanz, dass eine Ehe gar nicht perfekt sein muss, sondern einfach Arbeit braucht. Es braucht mehr Anerkennung, mehr Sex, mehr Nähe. Und die Erkenntnis, dass man einfach immer an der Klippe steht. Ist das schon das Erfolgsrezept für eine perfekte Ehe? Wahrsagen können, wäre super.
Generell ist das Buch super unterhaltsam, sehr kurzweilig und amüsierend, da man sich in einigen Gesprächen mit dem*r eigenen Partner*in sehen kann. Es gibt Hoffnung, dass eine Paartherapie nicht immer mies ausgehen muss. Und dass man auch zueinander finden kann, wenn jemand Mist gebaut hat oder es einfach nicht mehr so läuft.
Ich möchte nicht zu viel verraten (hab ich wahrscheinlich eh schon), aber ich liebe den Shift, den beide Protagonist*innen machen. Enjoy the read!
Nick Hornby, „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“. € 18,90,- / 160 Seiten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020


