Das Engagement und der Innovationsgeist kleiner Medien haben mich heuer in ihren Bann gezogen. Zuvor hatte ich nur in großen Medienhäusern gearbeitet. 2025 dann der erste Kulturschock: Dreierteams, die spätabends an ausgeflippten Ideen feilen, Brainstorming übers Telefon oder in Kellern, dabei ein Hund am Schoß. Gemeinsame Kaffee-Dates, die in Coworking übergehen.
Ich habe mich verliebt in die Leidenschaft, mit der diese Start-ups an einer sonnigen Zukunft für den Journalismus festhalten und unermüdlich daran arbeiten, ihren Beitrag zu leisten. Nie habe ich mich meinen Projekten mit so viel Freude gewidmet. Teamgeist und Can-Do-Spirit, wie ich ihn noch nicht gesehen habe.
Der zweite Kulturschock war jedoch der Umgang, den ich im “Außen” erlebe. Nach meiner Zeit bei großen Häusern, deren Namen – selbst als Praktikantin – stets wie ein Gütesiegel funktioniert haben, empfinde ich es als Schlag in die Magengrube, manchmal indirekt vermittelt zu bekommen: “Du bist zu klein, du bringst uns nichts.” Denn Journalismus ist für viele ein Tauschgeschäft. Sinn und Zweck eines Interviews ist die Präsenz in der Öffentlichkeit, die Möglichkeit, die eigene Botschaft zu verbreiten. Trägt das Medium dazu augenscheinlich nichts bei, ist es abgeschrieben.
Herzblut, Nachtschichten & Ehrenamt.
“Bleibt das so?”, habe ich neulich meine Chefredakteurin gefragt, nachdem mir ein vor zwei Wochen vereinbarter Interviewtermin am Tag des Gesprächs abgesagt wurde. Kosten und Zeitaufwand, von mir wie auch vom Kameramann, waren in die Vorbereitung geflossen. Umsonst.
“Bleibt das so?”, habe ich gefragt, als ich mit meinem aufgebauten Equipment im Wartebereich eines Hotels sitzen gelassen wurde – ohne Absage.
“Bleibt das so?”, denke ich mir regelmäßig, wenn E-Mails unbeantwortet im Gesendet-Fach schlummern oder im respektlosen Ton mit mir gesprochen wird.
Hand aufs Herz: Ich hoffe, das bleibt nicht so. Ich hoffe es nicht nur, weil ich die Schnauze voll habe. Ich hoffe es vor allem für die Zukunft des Journalismus. Denn was besagte Pressestellen, Managementteams und Agenturen außer Acht lassen, ist, dass Journalist*innen bei Start-ups oft viel mehr Herzblut in eine Geschichte stecken als große Medien, denen schlichtweg die Zeit oder das Personal fehlt. Harte Arbeit, ehrenamtliches Engagement, ungesehene Mühe. Abends, nachts, nach dem Vollzeitjob: Das Mindeste, was Medien-Start-ups zusteht, ist ein wertschätzender Umgang. Und im Idealfall: Ein Interviewslot! Ein Rezensionsexemplar! Unterstützung!
Helft uns, die Zukunft des Journalismus zu gestalten!
Auch wenn die Geschichte “nur auf Social Media” oder “nur als Podcast” erscheint oder zunächst “nur” 100 Views/Downloads bekommt, zahlt sich eine Zusammenarbeit aus. Denn wenn kleine Medien immer hinten angestellt werden, erschwert man ihnen das Wachstum. Und was dabei übersehen wird: Jene im Wachstum befindlichen Start-ups sind oft viel wendiger als große Medienhäuser. Sie können sich flexibler an Marktentwicklungen anpassen und Innovation vorantreiben.
So werden Zielgruppen erreicht, die sich von gängiger Berichterstattung nicht abgeholt fühlen. Sei es aufgrund des Alters, der Herkunft, der Zugänglichkeit oder der vorausgesetzten Fachexpertise. Journalismus wird ein bisschen inklusiver – durch kleine Medien. Journalismus blickt in die Zukunft – durch kleine Medien. Und das gilt es zu unterstützen.
Daher mein Appell an Pressestellen großer Unternehmen und Institutionen, an das Management berühmter Künstler*innen: Helft uns, die Zukunft des Journalismus zu gestalten. Nehmt uns ernst. Investiert eure Zeit in Medien-Start-ups und behandelt sie mit jenem Respekt, den sie auch euch entgegenbringen. Langfristig baut ihr euch damit wertschätzende Beziehungen zu Journalist*innen auf, die eine Mission und ein Alleinstellungsmerkmal haben – und einen verdammt langen Atem.


